{"id":1108,"date":"2009-03-27T10:32:36","date_gmt":"2009-03-27T08:32:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.institut-halbach.de\/blog\/?p=1108"},"modified":"2009-03-27T10:32:36","modified_gmt":"2009-03-27T08:32:36","slug":"mussen-kanale-tatsachlich-dicht-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/2009\/03\/27\/mussen-kanale-tatsachlich-dicht-sein\/","title":{"rendered":"M\u00fcssen Kan\u00e4le tats\u00e4chlich dicht sein?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nat\u00fcrlich nicht! Ist doch klar!<\/strong><\/p>\n<p>Der Leser wird gemeinhin \u00fcberzeugt sein, dass Kan\u00e4le dicht sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wie es aber so im Leben ist, unsere \u00dcberzeugungen gewinnen wir selten aus eigenem Wissen und eigenem Forschen. Oft kn\u00fcpfen wir &#8211; aus Zeitgr\u00fcnden &#8211; nur an fremde Meinungen an, die allzu h\u00e4ufig auch nur wieder auf anderen Meinungen beruhen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eine <a href=\"http:\/\/www.institut-halbach.de\/blog\/?p=676\" target=\"_blank\">Regel<\/a>, die uns schlauer machen k\u00f6nnte, ist die<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">DIN EN 752-2<br \/>\nEntw\u00e4sserungssysteme au\u00dferhalb von Geb\u00e4uden<br \/>\nTeil 2: Anforderungen<br \/>\n6. Auflage DIN-Taschenbuch 152<br \/>\nBeuth Verlag 1998<br \/>\nNovember 1997<\/p>\n<p>F\u00fchlen wir jetzt mal der DIN EN 752-2 auf den Zahn und pr\u00fcfen, was sie tats\u00e4chlich fordert.<\/p>\n<p>Geschrieben steht in der DIN EN 752-2, Entw\u00e4sserungssysteme au\u00dferhalb von Geb\u00e4uden, Teil 2, Anforderungen vom September 1996 im Punkt 6 \u201e<strong>Grunds\u00e4tzliche <\/strong>Anforderungen: Wasserdichtheit der Abwasserkan\u00e4le und -leitungen entsprechend den Pr\u00fcfungsanforderungen.&#8220;<\/p>\n<p>Fast alle, die mit Kanalsanierung und Kanaldichtheit etwas zu tun haben, verstehen die DIN EN 752-2 aber v\u00f6llig anders: &#8222;<em>Abwasserkan\u00e4le und -leitungen m\u00fcssen unter allen Umst\u00e4nden dicht sein!<\/em>&#8220;<\/p>\n<p>Und dieses Verst\u00e4ndnis ist falsch, denn so steht es nicht in der DIN EN 752-2.<\/p>\n<p>Die Ursache f\u00fcr das Missverst\u00e4ndnis liegt im Allgemeinen in der schwierigen Logik der deutschen Sprache und im Konkreten in der Bedeutung des Wortes &#8222;<em>grunds\u00e4tzlich<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber, was &#8222;<em>grunds\u00e4tzlich<\/em>&#8220; bedeutet, geben Vorschriften zur Formulierung von Betriebsvorschriften f\u00fcr Kernkraftwerke Auskunft. Diese m\u00f6gen \u00fcber Zweifel erhaben sein, denn mehrdeutige Vorschriften k\u00f6nnen gerade bei Kernkraftwerken t\u00f6dliche Folgen haben.<\/p>\n<p>Nun treten wir den Beweis an:<\/p>\n<p>Nach der Quelle: <a href=\"http:\/\/www.kta-gs.de\/d\/versch\/merkblatt.pdf\">Hinweise zur Redaktion von Bedienungsanweisungen f\u00fcr ein Kernkraftwerk<\/a> bedeutet &#8222;<em>grunds\u00e4tzlich<\/em>&#8220; folgendes:\n<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eL\u00e4\u00dft ein Abweichen vom Grundsatz zu. Grunds\u00e4tzlich darf nur verwendet werden, wenn die Bedingungen f\u00fcr ein zul\u00e4ssiges Abweichen vom Grundsatz angegeben werden.\u201c<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kta-gs.de\/d\/versch\/merkblatt.pdf\"><\/a><\/p>\n<p>Damit ist der Beweis erbracht, dass Kan\u00e4le tats\u00e4chlich nicht dicht sein m\u00fcssen und ich hoffe, die Herren Rechtsanw\u00e4lte stimmen der Logik zu.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich schon, tats\u00e4chlich aber nicht dicht!<\/p>\n<p>Wer weiterdenkt, begreift auch, dass den Verfassern der DIN EN 752-2 Weisheit zu bescheinigen ist, als sie formulierten: <strong>&#8222;Grunds\u00e4tzliche <\/strong>Anforderungen&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Eine Formulierung, wie sie gerne verstanden werden m\u00f6chte und in der <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/welt_print\/article2121388\/Milliardengeschaeft_im_Untergrund.html\" target=\"_blank\">Praxis so verstanden wird <\/a>(!):<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>Unbedingte <\/strong>Anforderungen: Wasserdichtheit der Abwasserkan\u00e4le und -leitungen entsprechend den Pr\u00fcfungsanforderungen<\/p>\n<p>verlangt dagegen eine sofortige kompromis- und ausnahmslose Umsetzung der Wasserdichtheit und ist <a href=\"http:\/\/www.institut-halbach.de\/blog\/?p=790\" target=\"_blank\">Vorfeldkriminalisierung in Reinkultur<\/a>.<\/p>\n<p>Da &#8222;<em>grunds\u00e4tzlich<\/em>&#8220; ein Abweichen vom Grundsatz zul\u00e4sst und da wir Ingenieure auf verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiges Handeln stolz sind &#8211; was selten genug vorkommt &#8211; m\u00fcssen z. B. Hausanschlusskan\u00e4le keineswegs unter allen Umst\u00e4nden dicht sein. Eine Ausnahme &#8211; wann sie dicht sein sollten &#8211; w\u00e4re, wenn das betreffende Grundst\u00fcck beispielsweise im Trinkwassereinzugsgebiet liegt, oder wenn in der N\u00e4he eine Trinkwasserfassung betrieben wird.<\/p>\n<p>Die Forderung also, dass Hausanschlusskan\u00e4le unter allen Umst\u00e4nden dicht sein m\u00fcssen, ist einerseits ein f\u00fcr die Umweltwirtschaft recht angenehmes Missverst\u00e4ndnis. F\u00fcr B\u00fcrger und Industriezweige mit harmlosen Abw\u00e4ssern verursachen solche Fehlinterpretationen und Kampagnen Frust, unn\u00f6tige Kosten und in der Folge sicher auch den einen oder anderen Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Wer aber andererseits die unbedeutenden Gefahren dabei f\u00fcr die Umwelt untersucht hat, die z.B. durch ein L\u00f6chlein im Hausanschlusskanal entstehen, auf dessen Antlitz wird sich aufgrund der Belanglosigkeit ein m\u00fcdes L\u00e4cheln ausbreiten.<\/p>\n<p>Das Ziel, Hausanschlusskan\u00e4le abdichten zu m\u00fcssen, ist dann peinlich, wenn sich z. B. das L\u00f6chlein in einer Rohrzone befindet, die sogut wie nie vom Abwasser ber\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Bei manchen Dichtheitspr\u00fcfungen wird mitunter auch ein Dichtheits-Phantom festgestellt. Dabei wird ein dichtes Rohr durch die Dichtheitspr\u00fcfung undicht, n\u00e4mlich dann, wenn das Rohr sich bereits selbst gedichtet hat. Der Druck der durch die Dichtheitspr\u00fcfung verursacht wird, zerst\u00f6rt die Selbstdichtung.  Das Ergebnis der Pr\u00fcfung ist dann ein unrealistisches Ergebnis.<\/p>\n<p>Sicher gibt es auch Situationen, in denen es sinnvoll ist, eine Dichtigkeit herzustellen,  wenn z. B. giftige Industrieabw\u00e4sser in den Untergrund eintreten oder wenn sonst bedeutende Fremdwassermengen in den Kanal gelangen.<\/p>\n<p>Pauschale Dichtigkeitsforderungen dagegen verraten wenig Grundlagenwissen, es sei denn man spekuliert auf handfeste Unternehmensgewinne.<\/p>\n<p>Ein Indiz f\u00fcr die Gef\u00e4hrlichkeit undichter Hausanschlusskan\u00e4le fand ich z. B.  als Teilnehmer der Tagung<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Undichte Kan\u00e4le &#8211; (k)ein Risiko?<br \/>\nGemeinschaftstagung 11.\/12. Oktober 2006<br \/>\nDWA, u.a<br \/>\nFrankfurt am Main<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">nicht.<\/span><\/p>\n<p>Als Gerichtsgutachter hatte ich vor einigen Jahren im Rahmen eines Nachbarschaftsstreites die Aufgabe eines Dresdner Gerichtes erhalten, Sch\u00e4den am Boden durch die Versickerung von h\u00e4uslichem Abwasser festzustellen.<\/p>\n<p>Der Nachweis gelang dem hinzugezogenen zertifizerten Labor ebenso nicht.<\/p>\n<p>Ein Grund, weshalb es gelingt Panik wegen undichter Kan\u00e4len zu verbreiten, liegt in der Ignoranz dreier Naturgesetze:<\/p>\n<ol>\n<li>der verd\u00fcnnenden und reinigenden Wirkung des Wasserkreislaufes,<\/li>\n<li>dem Gesetz der Dosis,<\/li>\n<li>dem Gesetz vom Abbau organischer Stoffe und infolge der Selbstdichtung unter bestimmten Bedingungen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese Naturgesetze entsch\u00e4rfen &#8211; von wenigen Ausnahmef\u00e4llen abgesehen &#8211; mit sehr hohem Wirkungsgrad und vor allem hinreichend (!) die Folgen eines undichten Kanals.<\/p>\n<p>Und solange die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit einer Sanierung von undichten Hausanschlusskan\u00e4len nicht nachgewiesen wird, gehe ich davon aus, dass solche Aktionen, wie z. B. geschildert in dem Artikel &#8222;<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/welt_print\/article2121388\/Milliardengeschaeft_im_Untergrund.html\" target=\"_blank\">Milliardengesch\u00e4ft im Untergrund<\/a>&#8220; nichts weiter als hei\u00dfe Luft sind, insbesondere dann, wenn z. B. ein Bauer wenige Meter neben dem undichten Hausanschlusskanal sein Feld mit G\u00fclle d\u00fcngen darf, ohne dass er zuvor sein Feld auf Dichtigkeit pr\u00fcfen muss. (Es f\u00e4llt schwer, ernst zu bleiben.)<\/p>\n<p>Ob der fehlende Nachweis der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit solcher Hausanschlussdichtigkeitskampagnen eventuell ein Schildb\u00fcrgerstreich ist, sollen andere entscheiden.<\/p>\n<p>Mal sehen, wann die Kommunen und Beh\u00f6rden beginnen, ihre bzw. die B\u00fcrger vor solchen fragw\u00fcrdigen Manipulationen und Missverst\u00e4ndnissen zu sch\u00fctzen. <a href=\"http:\/\/www.institut-halbach.de\/blog\/?p=1156\" target=\"_blank\">Ich denke aber, das Wasser, in dem der Frosch sitzt, ist einfach noch nicht hei\u00df genug.<\/a><\/p>\n<p>Wenn Wasserwirtschaftler primitives und einf\u00e4ltiges Handeln vermeiden wollen, dann d\u00fcrfen sie ihre Augen nicht vor den Tatsachen verschlie\u00dfen, die ihr Weltbild st\u00f6ren. <a href=\"http:\/\/www.institut-halbach.de\/blog\/?p=983\" target=\"_blank\">Siehe Kant!<\/a><\/p>\n<p>Selber denken und selber nachsehen, was Fakt ist.<a href=\"http:\/\/www.institut-halbach.de\/blog\/?p=983\" target=\"_blank\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich nicht! Ist doch klar! Der Leser wird gemeinhin \u00fcberzeugt sein, dass Kan\u00e4le dicht sein m\u00fcssen. Wie es aber so im Leben ist, unsere \u00dcberzeugungen gewinnen wir selten aus eigenem Wissen und eigenem Forschen. Oft kn\u00fcpfen wir &#8211; aus Zeitgr\u00fcnden &#8211; nur an fremde Meinungen an, die allzu h\u00e4ufig auch nur wieder auf anderen Meinungen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14,30,33],"tags":[106,173,188,280,676,678,567],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1108"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1108"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1108\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1108"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1108"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1108"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}