{"id":3432,"date":"2012-04-05T12:51:46","date_gmt":"2012-04-05T10:51:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlamm.de\/?p=3432"},"modified":"2018-05-23T15:20:07","modified_gmt":"2018-05-23T13:20:07","slug":"staat-heist-das-kalteste-aller-kalten-ungeheuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/2012\/04\/05\/staat-heist-das-kalteste-aller-kalten-ungeheuer\/","title":{"rendered":"Staat hei\u00dft das k\u00e4lteste aller kalten Ungeheuer."},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Friedrich Nietzsche:<\/span><\/p>\n<p><strong><em>&#8222;Vom neuen G\u00f6tzen<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Irgendwo gibt es noch V\u00f6lker und Herden, doch nicht bei uns, meine Br\u00fcder: da gibt es Staaten.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schlamm.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Nietzsche18821.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-2251 alignleft\" style=\"border: 1px solid black;\" title=\"Nietzsche\" src=\"https:\/\/www.schlamm.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Nietzsche18821-767x1023.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"294\" srcset=\"https:\/\/www.schlamm.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Nietzsche18821-767x1023.jpg 767w, https:\/\/www.schlamm.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Nietzsche18821-224x300.jpg 224w, https:\/\/www.schlamm.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Nietzsche18821.jpg 1274w\" sizes=\"(max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em><!--more-->Staat? Was ist das? Wohlan! Jetzt tut mir die Ohren auf, denn jetzt sage ich euch mein Wort vom Tode der V\u00f6lker.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Staat hei\u00dft das k\u00e4lteste aller kalten Ungeheuer. Kalt l\u00fcgt es auch; und diese L\u00fcge kriecht aus seinem Munde: \u00bbIch, der Staat, bin das Volk.\u00ab<\/em><\/span><\/p>\n<p><em>L\u00fcge ist&#8217;s! Schaffende waren es, die schufen die V\u00f6lker und h\u00e4ngten einen Glauben und eine Liebe \u00fcber sie hin: also dienten sie dem Leben.<\/em><\/p>\n<p><em>Vernichter sind es, die stellen Fallen auf f\u00fcr viele und hei\u00dfen sie Staat: sie h\u00e4ngen ein Schwert und hundert Begierden \u00fcber sie hin.<\/em><\/p>\n<p><em>Wo es noch Volk gibt, da versteht es den Staat nicht und ha\u00dft ihn als b\u00f6sen Blick und S\u00fcnde an Sitten und Rechten.<\/em><\/p>\n<p><em>Dieses Zeichen gebe ich euch: jedes Volk spricht seine Zunge des Guten und B\u00f6sen: die versteht der Nachbar nicht. Seine Sprache erfand es sich in Sitten und Rechten.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber der Staat l\u00fcgt in allen Zungen der Guten und B\u00f6sen; und was er auch redet, er l\u00fcgt \u2013 und was er auch hat, gestohlen hat er&#8217;s.<\/em><\/p>\n<p><em>Falsch ist alles an ihm; mit gestohlenen Z\u00e4hnen bei\u00dft er, der Bissige. Falsch sind selbst seine Eingeweide.<\/em><\/p>\n<p><em>Sprachverwirrung des Guten und B\u00f6sen: dieses Zeichen gebe ich euch als Zeichen des Staates. Wahrlich, den Willen zum Tode deutet dieses Zeichen! Wahrlich, es winkt den Predigern des Todes!<\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><em>Viel zu viele werden geboren: f\u00fcr die \u00dcberfl\u00fcssigen ward der Staat erfunden!<\/em><\/span><\/p>\n<p><em>Seht mir doch, wie er sie an sich lockt, die Viel-zu-Vielen! Wie er sie schlingt und kaut und wiederk\u00e4ut!<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbAuf der Erde ist nichts Gr\u00f6\u00dferes als ich: der ordnende Finger bin ich Gottes\u00ab \u2013 also br\u00fcllt das Untier. Und nicht nur Langgeohrte und Kurzge\u00e4ugte sinken auf die Knie!<\/em><\/p>\n<p><em>Ach, auch in euch, ihr gro\u00dfen Seelen, raunt er seine d\u00fcsteren L\u00fcgen! Ach, er err\u00e4t die reichen Herzen, die gerne sich verschwenden!<\/em><\/p>\n<p><em>Ja, auch euch err\u00e4t er, ihr Besieger des alten Gottes! M\u00fcde wurdet ihr im Kampfe, und nun dient eure M\u00fcdigkeit noch dem neuen G\u00f6tzen!<\/em><\/p>\n<p><em>Helden und Ehrenhafte m\u00f6chte er um sich aufstellen, der neue G\u00f6tze! Gerne sonnt er sich im Sonnenschein guter Gewissen \u2013 das kalte Untier!<\/em><\/p>\n<p><em>Alles will er euch geben, wenn ihr ihn anbetet, der neue G\u00f6tze: also kauft er sich den Glanz eurer Tugenden und den Blick eurer stolzen Augen.<\/em><\/p>\n<p><em>K\u00f6dern will er mit euch die Viel-zu Vielen! Ja, ein H\u00f6llenkunstst\u00fcck ward da erfunden, ein Pferd des Todes, klirrend im Putz g\u00f6ttlicher Ehren!<\/em><\/p>\n<p><em>Ja, ein Sterben f\u00fcr viele ward da erfunden, das sich selber als Leben preist: wahrlich, ein Herzensdienst allen Predigern des Todes!<\/em><\/p>\n<p><em>Staat nenne ich&#8217;s, wo alle Gifttrinker sind, Gute und Schlimme: Staat, wo alle sich selber verlieren, Gute und Schlimme: Staat, wo der langsame Selbstmord aller \u2013 \u00bbdas Leben\u00ab hei\u00dft.<\/em><\/p>\n<p><em>Seht mir doch diese \u00dcberfl\u00fcssigen! Sie stehlen sich die Werke der Erfinder und die Sch\u00e4tze der Weisen: Bildung nennen sie ihren Diebstahl \u2013 und alles wird ihnen zu Krankheit und Ungemach!<\/em><\/p>\n<p><em>Seht mir doch diese \u00dcberfl\u00fcssigen! Krank sind sie immer, sie erbrechen ihre Galle und nennen es Zeitung. Sie verschlingen einander und k\u00f6nnen sich nicht einmal verdauen.<\/em><\/p>\n<p><em>Seht mir doch diese \u00dcberfl\u00fcssigen! Reicht\u00fcmer erwerben sie und werden \u00e4rmer damit. Macht wollen sie und zuerst das Brecheisen der Macht, viel Geld \u2013 diese Unverm\u00f6genden!<\/em><\/p>\n<p><em>Seht sie klettern, diese geschwinden Affen! Sie klettern \u00fcbereinander hinweg und zerren sich also in den Schlamm und die Tiefe.<\/em><\/p>\n<p><em>Hin zum Throne wollen sie alle: ihr Wahnsinn ist es \u2013 als ob das Gl\u00fcck auf dem Throne s\u00e4\u00dfe! Oft sitzt der Schlamm auf dem Thron -und oft auch der Thron auf dem Schlamme.<\/em><\/p>\n<p><em>Wahnsinnige sind sie mir alle und kletternde Affen und \u00dcberhei\u00dfe. \u00dcbel riecht mir ihr G\u00f6tze, das kalte Untier: \u00fcbel riechen sie mir alle zusammen, diese G\u00f6tzendiener.<\/em><\/p>\n<p><em>Meine Br\u00fcder, wollt ihr denn ersticken im Dunste ihrer M\u00e4uler und Begierden? Lieber zerbrecht doch die Fenster und springt ins Freie!<\/em><\/p>\n<p><em>Geht doch dem schlechten Geruche aus dem Wege! Geht fort von der G\u00f6tzendienerei der \u00dcberfl\u00fcssigen!<\/em><\/p>\n<p><em>Geht doch dem schlechten Geruche aus dem Wege! Geht fort von dem Dampfe dieser Menschenopfer!<\/em><\/p>\n<p><em>Frei steht gro\u00dfen Seelen auch jetzt noch die Erde. Leer sind noch viele Sitze f\u00fcr Einsame und Zweisame, um die der Geruch stiller Meere weht.<\/em><\/p>\n<p><em>Frei steht noch gro\u00dfen Seelen ein freies Leben. Wahrlich, wer wenig besitzt, wird um so weniger besessen: gelobt sei die kleine Armut!<\/em><\/p>\n<p><em>Dort, wo der Staat aufh\u00f6rt, da beginnt erst der Mensch, der nicht \u00fcberfl\u00fcssig ist: da beginnt das Lied des Notwendigen, die einmalige und unersetzliche Weise.<\/em><\/p>\n<p><em>Dort, wo der Staat aufh\u00f6rt \u2013 so seht mir doch hin, meine Br\u00fcder! Seht ihr ihn nicht, den Regenbogen und die Br\u00fccken des \u00dcbermenschen? \u2013<\/em><\/p>\n<p><em>Also sprach Zarathustra.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Friedrich Nietzsche: &#8222;Vom neuen G\u00f6tzen Irgendwo gibt es noch V\u00f6lker und Herden, doch nicht bei uns, meine Br\u00fcder: da gibt es Staaten. &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[53],"tags":[505],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3432"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3432"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3432\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3432"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3432"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3432"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}