{"id":362,"date":"2008-11-21T16:47:27","date_gmt":"2008-11-21T14:47:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.institut-halbach.de\/blog\/?p=362"},"modified":"2008-11-21T16:47:27","modified_gmt":"2008-11-21T14:47:27","slug":"vorsorgeprinzip-von-der-schwester-der-medusa-vergewaltigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlamm.de\/index.php\/2008\/11\/21\/vorsorgeprinzip-von-der-schwester-der-medusa-vergewaltigt\/","title":{"rendered":"Vorsorgeprinzip und Stheno!"},"content":{"rendered":"<p>Es ist auff\u00e4llig, dass das Vorsorgeprinzip im Wasserrecht eine beliebige Funktion einnimmt. Fast jeder kann es nach gut d\u00fcnken und vor allem unkontrolliert und ohne Verantwortung gebrauchen oder viel zu h\u00e4ufig  missbrauchen.<\/p>\n<figure style=\"width: 463px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.institut-halbach.de\/blog\/wp-content\/uploads\/rubens_medusa.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.institut-halbach.de\/blog\/wp-content\/uploads\/rubens_medusa.jpg\" alt=\"\" width=\"463\" height=\"230\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Medusa - Die Schwester der Stheno<\/figcaption><\/figure>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&#8230;und das Ansehen eines Besorgten steigt mit dem Ma\u00dfe seiner Besorgtheit.<\/p>\n<p>Beliebigkeit war oder ist die Eigenschaft der Stheno einer Schwester der Medusa. Stheno steckt den Betrachter die Zunge heraus und schneidet Grimassen. Und wer versucht dem Vorsorgeprinzip seine Beliebigkeit zu rauben, muss wohl zuerst an der Medusa herumschnippeln.<\/p>\n<p>Zum Vorsorgeprinzip sind z.B. den Erl\u00e4uterungen von Friedrich Schr\u00f6der (Stand: Dezember 2006) zu \u00a7 1 WHG zu entnehmen:<\/p>\n<p><em>&#8222;Im Hinblick auf das Vorsorgeprinzip sollte insbesondere mit hochwertigen Grundwasservorkommen sparsam umgegangen werden.&#8220;<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Zur korrekten Anwendung des Vorsorgeprinzips wird aber nichts vermittelt.<\/p>\n<p>Das Vorsorgeprinzip scheint ein unbestimmter Rechtsbegriff mit einer gewissen Beliebigkeit zu sein. Erst die Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips vermitteln das Prinzip und die Grenzen der Anwendung &#8211; nur die <a href=\"http:\/\/www.institut-halbach.de\/blog\/?p=172\" target=\"_blank\">Leitlinien der EU-Kommision<\/a> kennt kaum jemand.<\/p>\n<p>Um es zu veranschaulichen: Es ist ungef\u00e4hr das Gleiche, als ob wir alle vom Prinzip der Fortbewegung auf Stra\u00dfen sprechen.  Wir sind begeistert und schreiben es in Gesetze. Alle bewegen sich fort &#8211; weil es gerade cool ist, sich fortzubewegen. Der eine dort hin und der andere dahin, einer vorw\u00e4rts und die Meisten zur\u00fcck &#8211; beliebig gewisserma\u00dfen,  aber kein Mensch kennt die Stra\u00dfenverkehrsordnung.<\/p>\n<p>Deshalb grassiert eine gro\u00dfe Beliebigkeit und das Lustige oder auch Tragisch-komische ist &#8211; solche negativen Erscheinungen &#8211; die kaum die hohe Zeit einer Gesellschaft kennzeichnen &#8211; kannten schon die alten Griechen. Es ist faszinierend wie genau die alten Griechen die Menschen anlysierten und es ist erstaunlich festzustellen, dass die sich die Menschen seit der Zeit als Homer seine Epen schrieb in keire Weise \u00e4nderten. Wir wissen heute vielleicht mehr, aber wer ist allein deshalb kl\u00fcger?<\/p>\n<p>Die G\u00f6tter der alten Griechen sind unter uns und sie werden uns die n\u00e4chsten Tausend Jahre auch nicht verlassen.<\/p>\n<p>Bei Schwanitz &#8222;Laurence Sternes Tristram Shandy und der Wettlauf zwischen Achilles und der Schildkr\u00f6te&#8220; in &#8222;Das Paradox: Eine Herausforderung des abendl\u00e4ndischen Denkens&#8220; (Taschenbuch), Verlag: K\u00f6nigshausen &amp; Neumann; Auflage: 2. A. (Juli 2002) ist zu lesen:<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"file:\/\/\/C:\/DOKUME~1\/UWE~1.HAL\/LOKALE~1\/Temp\/moz-screenshot.jpg\" alt=\"\" \/>&#8220; <em>Sie (Stheno &#8211; eine Schwester der Medusa) verbreitet damit L\u00e4hmung und setzt den Garten der Ordnung der Wildnis der Beliebigkeit aus.<\/em>&#8220;<\/p>\n<p>Und weiter von Dietrich Schwanitz aus &#8222;Bildung&#8220;, Wilhelm Goldmann Verlag:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die drei monstr\u00f6sen Schwestern: die Gorgonen Bildung ist zu einem Schattenreich geworden. In ihm sind die Vorstellungen davon verdampft, was man eigentlich lernen soll. Eine ernsthafte, fachlich solide \u00dcberlegung \u00fcber Bildungsziele findet nirgendwo statt. Statt dessen herrschen die beiden Schwestern \u2013 die gro\u00dfe Verunsicherung und die gro\u00dfe Un\u00fcbersichtlichkeit.<br \/>\nImmer neue Modelle werden durchgespielt. Die Schule ist zum Prinzip des Tauschhandels zur\u00fcckgekehrt. Deutsch kann durch Sport ausgeglichen werden und Mathematik durch Religion. Punkte in Leistungskursen z\u00e4hlen doppelt soviel wie die in gew\u00f6hnlichen Kursen. Das hat die Schule zu einem Markt gemacht, auf dem Zensuren gehandelt werden und die Sch\u00fcler mit den Lehrern um Prozentpunkte feilschen. Da\u00df alles mit allem kombinierbar, alles austauschbar und alles kompensierbar ist, hat die dritte der Gorgonenschwestern inthronisiert: die gro\u00dfe Beliebigkeit.<br \/>\nIhre Herrschaft hat die Idee vom unaustauschbaren, mit der Sache verbundenen Bildungswert eines Faches verdunsten lassen. Das Grundprinzip jeder Ordnung von Wissensbest\u00e4nden wurde fallengelassen: die Unterscheidung von Wesentlichem und Austauschbarem, von Zentralem und Randst\u00e4ndigem, Pflicht und K\u00fcr, Kernf\u00e4chern und Wahlf\u00e4chern.<br \/>\nMythos und Kosmologie lehren uns: Wenn die Entwicklung einen Tiefpunkt erreicht hat, ist es Zeit f\u00fcr eine Umkehr; die l\u00e4ngste Nacht ist zugleich auch die Sonnenwende; nach dem Abstieg in die H\u00f6lle erfolgt die Auferstehung. Deshalb ist es an der Zeit, die Herrschaft der drei Schwestern zu beenden \u2013 der gro\u00dfen Verunsicherung, der gro\u00dfen Un\u00fcbersichtlichkeit und der gro\u00dfen Beliebigkeit. Zu den mythologischen Gorgonen geh\u00f6rt die Medusa, deren Blick t\u00f6tet; h\u00e4lt man ihr den Spiegel vor, t\u00f6tet sie sich selbst. Fangen wir damit an&#8220;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist auff\u00e4llig, dass das Vorsorgeprinzip im Wasserrecht eine beliebige Funktion einnimmt. 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